Dr. Ulrich Noll: Abschied von einem wahren Liberalen und engagierten Bürger
Für viele in seinem Wahlkreis aber, und das nicht nur für die liberalen Parteimitglieder, war er der Uli, dem kein Weg zu lang, keine Veranstaltung zu klein und kein Thema zu unbedeutend war.
Immer ging es ihm darum, in Kontakt mit dem Menschen zu bleiben und auf ihre Meinung zu hören. Sogar mehr als das. Es war ihm ein ausgesprochenes Anliegen, gerade jenen Menschen zu helfen, die aus eigener Kraft ihr Schicksal nicht meistern konnten.
Sein kompromissloses Eintreten für das Verbot einer zweiten Startbahn auf den Fildern, das er sogar mit seinem politischen Schicksal verknüpfte, seine frühzeitige Absage an eine längere Nutzung der Atomenergie sowie sein Engagement für längeres gemeinsames Lernen an der Grundschule trugen ihm viel Sympathien auch jenseits der Parteigrenzen ein. Dass er dabei mit der Fraktionslinie nicht immer konform ging, störte ihn nicht. Er fühlte sich allein seinem Gewissen verpflichtet.
Seine persönliche Integrität sorgte dafür, dass er 2004 einstimmig zum FDP-Fraktionschef im Landtag gewählt wurde. In den folgenden Jahren gelang es ihm, seiner liberalen Partei ein schärferes Profil zu geben und sich gegen den Koalitionspartner erfolgreich abzugrenzen.
Dieser konsequente Kurs führte schließlich zur Abwahl vom Fraktionsvorsitz, die Wunden auf allen Seiten riss. Von dem Bruch, den nicht nur er als bittere Intrige einstufte, erholte er sich nie wieder ganz. Dafür gewann er im Gegenzug in der anschließenden Zeit an der Parteibasis und sogar aus dem Lager der politischen Gegner immer mehr an Zustimmung und Zuwendung.
Als er im April 2011 sich endgültig in das Privatleben zurückzog, wusste er allerdings bereits um seine tückische Erkrankung, die ihm nicht mehr viel Zeit ließ.
Am 18. Juli haben wir von ihm Abschied genommen. Mehr als 400 Menschen gaben ihm in seiner Heimatstadt das letzte Geleit. Mit seinem Mut, seiner Offenheit und Gradlinigkeit, mit seinem unermüdlichen und unerschrockenen Einsatz für soziale Belange und Menschen am Rande der Gesellschaft hat er Maßstäbe gesetzt, die noch lange nachwirken werden. Er fehlt uns schon heute - als Mensch wie als Vorbild.






