Unterwegs in Baden-Württemberg - Judith Skudelny (FDP)

Klimaschutz/ Biomasse - Wie macht man aus Stroh Benzin?

Dr. Nicolaus Dahmen<br />vom bioliq-Projekt <br />erläutert die Verfahrensweise
Dr. Nicolaus Dahmen
vom bioliq-Projekt
erläutert die Verfahrensweise
(23.09.2010) Die Antwort heißt "bioliq®". Hinter diesem Markennamen versteckt sich ein Biomass-To-Liquid-Verfahren (BTL, "Biomasse zu Flüssigem"), das am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entwickelt wurde und in einem Pilotprojekt praxistauglich gemacht wird. Über die technischen Abläufe von bioliq® und die Potenziale von Biomasse zur heimischen Energieversorgung informierte sich Judith Skudelny am 23. September vor Ort.


 Dr. Joachim Knebel, Chief Science Officer des KIT, nahm Skudelny in Empfang und stellte zunächst die Struktur des KIT vor. Der erst ein Jahr alte Zusammenschluss des ehemaligen Forschungszentrums Karlsruhe (FZK) und der Universität Karlsruhe verspricht vielfältige Effekte: neben wichtige Großforschungsprojekte mit Grundlagenforschung gibt es bereits interessante Spin-Offs, also Entwicklungen, die in kleinen und mittleren Unternehmen praktisch umgesetzt werden. Beispiel hierfür ist der neuartiger Beton "Celitement", bei dessen Herstellung gegenüber herkömmlichem Beton wesentlich weniger CO2 emittiert und nur die Hälfte des Energieeinsatzes benötigt wird. Für diesen ist seit kurzem eine mittelständische Firma gefunden, die das KIT-Know-how in der Praxis herstellt und vertreibt.

Die Forscher des KIT versprechen sich ähnliches vom BTL-Verfahren, das derzeit noch vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz gefördert wird. Judith Skudelny MdB
Judith Skudelny MdB

 
Dr. Nicolaus Dahmen, der Leiter des bioliq®-Projektes, erläuterte die verwendete Technik und führte Skudelny durch die Anlage. Durch ein Schnellpyrolyse-Verfahren werden Restholz, Stroh und ähnlichen Bioabfälle in einem ersten Schritt in ein synthetisches Öl (bioliqSynCrude®, vergleichbar dem auf fossilen Rohstoffen basierenden Mineralöl) umgewandelt. Die Herstellung des bioliqSynCrude® erfolgt dezentral. Dies hat den Vorteil, dass die Biomasse mit geringer Energiedichte nicht über weite Strecken transportiert werden muss. Für die Land- und Forstwirtschaft eröffnen sich hier weitere Einkommensquellen.

In einem zweiten Schritt - der Vergasung des bioliqSynCrude® in einem Hochdruck-Flugstromvergaser - entsteht daraus Synthesegas. Die dritte und vierte Umwandlungsstufe (Gasreinigung und Kraftstoffsynthese) werden bei bioliq® in einer Stufe realisiert. Das bisherige Resultat kann sich sehen lassen: aus 500 Kilogramm Stroh oder Holzresten entstehen 50 Liter hochreiner Diesel- oder Ottokraftstoff.
 

Ein Vorteil von bioliq® gegenüber Alternativkonzepten besteht darin, dass neben Holz auch viele andere Biomasse-Reststoffe energetisch genutzt werden können. Durch eine spezielle Trocknungsphase und die Vermischung mit Sand unter hohen Temperaturen werden die Ausgangsstoffe homogenisiert und können einem einheitlichen Verarbeitungsprozess zugeführt werden.


Skudelny konstatierte, dass die Bedingungen für die praktische Umsetzung solcher Innovationen neu justiert werden müssen: "Das Gesetz über den Vorrang Erneuerbarer Energien (EEG) fördert leider nur bestehende und namentlich aufgezählte Technologien. Außerdem beschränkt es sich auf den Stromsektor. Die Folge: Biomasseanlagen der zweiten Generation werden nicht gefördert, während die noch nicht ausgereifte Biomasse-Technologie der ersten Generation flächendeckend angewandt wird. Das ist nicht innovativ!"
 

Unternehmen in Deutschland müssen laut Skudelny aber auch den Mut haben, solche Innovationen auch anzuwenden: "Wenn wir den praktischen Einsatz von bioliq® in Deutschland nicht realisieren können, werden andere Länder bestimmt Schlange stehen. Dass deutsches Know-how aber im Lande bleibt und dadurch unsere mittelständische Wirtschaft gestärkt wird, ist erklärtes Ziel der schwarz-gelben Bundesregierung", so Judith Skudelny. Sie drückt den Forschern des BTL-Projekts aber zunächst die Daumen, dass die nächsten Tests für das Öko-Benzin erfolgreich abgeschlossen werden.


Hier gibt's mehr zum KIT und zum bioliq®-Projekt!

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